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2026 05 13 HLFS Seminar Einsatzstellenbelueftung 2026 064Von Montag, 11. Mai bis Mittwoch, 13. Mai 2026 fand ein dreitägiges Fortbildungsseminar für Führungskräfte an der Hessischen Landesfeuerwehrschule (HLFS) in Kassel statt. Im Seminar ging es um Einsatzstellenbelüftung Daran nahm auch ein Feuerwehrmann aus Bad Soden-Salmünster teil und konnte das Seminar am Mittwochnachmittag, 13. Mai 2026 mit vielen Erkenntnissen abschließen.

Nach den theoretischen und physikalischen Grundlagen und den neuesten Stand der Lehrmeinung gab es am Montag bereits erste praktische Vorführungen und Versuche anhand von Brandhaus-Modellen. Ebenfalls besprochen wurden Einsatzgrundsätze beim Lüftereinsatz.

Der frühzeitige, taktisch richtige Einsatz eines Lüfters kann viele Vorteile bringen. Oftmals wird ein Lüftungsgerät nach der Brandbekämpfung eingesetzt, um die Einsatzstelle vom Brandrauch zu befreien. Aber auch ein offensiver Lüftereinsatz während des Brandeinsatzes ist möglich und oft sinvoll, da es die Sichtverhältnisse verbessert, die Schadstoffe (Brandrauch, Atemgifte) verringert und ebenfalls die Temperatur senkt. Das Verhältnis der Zuluftöffnung zur Abluftöffnung soll zwischen 1:1 und 1:5 liegen. Der Lüfter wird in der Regel ca. 2 Meter vor der Zuluftöffnung aufgestellt (Faustregel, ansonsten je nach Lüfterart zwischen 1,8 und 6 m ...; 2 Meter ist erstmal gut!). 

Man spricht dabei meist nicht mehr vom Überdrucklüften, da dies eher dazu führen kann, dass der Brandrauch in bisher nicht verrauchte Bereiche gedrückt wird. Beim Einsatzstellenbelüften wird ein Luftstrom erzeugt. An den Rändern des Stroms sinkt der Druck und Brandrauch wird mitgezogen. Ist der Druck zu hoch, findet der Rauch seinen Weg in andere Bereiche und/oder er kommt an der Zuluftöffnung wieder entgegen.

Dem entgegenzuwirken gibt es mehrere Varianten:
1) Zuluftöffnung verkleinern (z.B. durch mobilen Rauchverschluss)
2) Drehzahl verringern (regulieren, anpassen)
3) bei nicht regulierbarem Lüfter: Abstand zu Zuluftöffnung variabel vergrößern

Ratsam ist es ebenfalls die natürliche Rauchwärmeableitung (Zug über Fensteröffnung) oder auch Rauchwärmeableitungen des Gebäudes (RWA) zu nutzen (Achtung: Ausgelöste RWA lässt Öffnung öffnen, sie ist aber u.U. bei Bedarf nicht wieder einfach wieder zu verschließen!). Hier ist ein paralleler Lüftereinsatz ggf. kontraproduktiv, da ein laminarer Luftstrom ggf. verwirbelt wird, d.h. beobachten und wenn das Ergebnis schlechter wird, Lüftereinsatz einstellen.

Bei einem Zimmerbrand in einem Obergeschoss, bei dem der Treppenraum rauchfrei ist, kann ein Innenangriff (d.h. wenn taktisch nicht z.B. über dem Balkon / ein Fenster vorgegangen wird) mit dem Lüfter begleitet werden. Ziel ist es, einen positiven Staudruck zu erzeugen, so dass der Angriffstrupp mit Atemschutz und Rohr durch den Luftstrom begleitet in den Brandraum vordringen kann. Voraussetzung ist auch hier, dass hierfür eine Abluftöffnung geschaffen wurde (z.B. über die Drehleiter). Ist der Treppenraum allerdings bereits verraucht, würde ein Lüftereinsatz den Brandrauch in nicht verrauchte Bereiche drücken (negativer Staudruck) und es besteht die Gefahr der Rauchverschleppung bzw. der Ausbreitung von Brandrauch.

Die Vorgehensweise beim Lüftereinsatz:

1) Abluftöffnung schaffen
(bereits geplatztes Fenster, von außen öffnen/einschlagen, im Innenangriff öffnen)

2) Lüfter vorbereiten
(Betriebsbereitschaft herstellen, vor der Zuluftöffung platzieren, aber im 90°-Winkel hierzu drehen)

3) Lüfter in Betrieb nehmen
(um 90° drehen zur Zuluftöffnung, Angriffstrupp kan parallel zum Innenangriff vorgehen)

4) Tür zum Brandraum öffnen
(sobald positiver Staudruck nach wenigen Momenten aufgebaut ist)

Bzgl. des Lüftereinsatzes noch während sich Personen im Gebäude befinden hat sich die Lehrmeinung geändert und es wir nun i.d.R. empfohlen, den Lüfter dennoch schon einzusetzen, wenn dies taktisch auch sonst Sinn macht (Vorteile überwiegen, z.B. vermisste Person kann durch belüfteten Raum schneller gefunden werden, bekommt früher Luft oder kann den Fluchtweg wieder erkennen.)

Als vorbereitende Maßnahmen für den Innenangriff kann ein sogenannter "Fensterimpuls" gesetzt werden. Durch ein geöffnetes, geplatzes oder zu öffnendes Fenster des Brandraums wird ein kurzer Vollstrahlimpuls von 10 - 30 Sekunden von außen gegen die Decke gespritzt, der Durchfluss sollte dabei > 200 l/min. sein. Damit wird bereits die Brandenergie (Temperatur) im Brandraum gesenkt

Am Dienstag und Mittwoch standen ausschließlich Praxiseinheiten auf dem Lehrplan. Bei teilweise 3 Grad Celsius und leichter Schnellfall am Morgen in unmittelbarer Nähe war es recht frisch für Mitte Mai. Zu beachten waren im Besonderen die Windverhältnisse, die die Regenschauer begleiteten. So wurde auch deutlich, dass ein guter Lüftungsplan mit Zu- und Abluftöffnung beinhalten muss, ob nicht der Wind den Brandrauch wieder in die Abluftöffnung hineindrückt.

Zunächst gab es aber eine Gerätekunde und das Testen verschiedener Geräte, zunächst verschiedener Antriebsarten, Verbrennungsmotor (nicht kabel-/akkugebunden, aber Abgase und begrentzter Neigungswinkel), Elektroantrieb (Kabel oder Akku) oder Wasserantrieb).

Auch die verschiedenen Wirkprinzipien wurden thematisiert und in der Praxis gezeigt. Beim Propeller wird ein Luftkegel erzeugt, mit der die Zuluftöffnung komplett abgedeckt wird, um einen Staudruck zu erzeugen. Beim Wirkprinzip Turbine entsteht ein relativ laminarer Luftstrom. Der "Easy Pow´Air" hat das Wirkprinzip noch einmal optimiert und ist stärker gebündelt. Bereits ca. 2 Meter hinter dem Lüfter müsste die Drehverwirbelung zu einem gleichmäßigen Luftstrom gewandelt sein. 

An der Brandsimulationsanlage (Brandhaus) wurden verschiedenste Einsatzszenarien und Verrauchungen mit Nebenmaschinen, verschiedenen Vorgehensweisen/Taktiken und Lüftern ausprobiert. Eigene Erfahrungen konnten dadurch gewonnen und Varianten ausgiebig getestet werden. Verrauchte Kellerräume, Verrauchte gefangene Räume, Entlüften von gefangenen Räumen, ohne die anderen Räume mit Rauch zu beaufschlagen, verrauchte Stockwerke, Räume, Treppenräume, diverse Zu- und Abluftöffnungen.

Eindeutig waren die Ergebnisse bei der Schachtverrauchung. Bei der Belüftung ereignete sich eine unkontrollierte Ausbreitung des Brandrauchs über die Kanalisation, in diesem Fall vom Brandhaus bis hinunter zum Parkplatz und auch hinauf bis zum Haupthaus. Überall drang Rauch aus den Kanaldeckeln. Effizienter war es hier, den Rauch hinauszuziehen.

Am Mittwoch wurde am Schlauchturm die Effizienz der Belüftung mit verschiedenen Abluftvarianten ausprobiert. Ebenfalls wurde eine Lkw-Halle mit verschiedenen Taktiken vom Rauch befreit und der Zugang über eine Halle mit etwas Staudruck in einen verrauchten Bereich ermöglicht. 

Das Seminar ist durchweg empfehlenswert für Führungskräfte und hilft im Einsatz, den Lüfter früher und gezielter einzusetzen.